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Das faszinierdende Mittelalter

Das Mittelalter fasziniert gegen Ende des 19. Jahrhunderts Dichter, Maler und Fotografen, aber auch die Herrscher Europas. Die Epoche der Romantik geht zu Ende; der Historizismus greift auf vergangene Stilelemente und Kunstformen zurück. In dieser Zeit werden viele europäische Baudenkmäler restauriert.
So lässt auch Kaiser Wilhelm II. die Hohkönigsburg wieder aufbauen, die seit dem 30jährigen Krieg in Ruinen lag. Von 1900 bis 1908 ist der Vorhügel der Vogesen eine riesige Baustelle. Gewaltige menschliche und technische Mittel werden aufgefahren. Nach nur acht Jahren Bauzeit wird die neu errichtete Hohkönigsburg am 13. Mai 1908 eingeweiht.

Die Hohkönigburg im Winter:


© Cédric Populus

© Cédric Populus

Die Hohkönigsburg ist Zeugin einer bewegten Zeit

Die Haut-Kœnigsbourg (Hohkönigsburg) wurde im 12. Jahrhundert von den Hohenstaufen auf einem über 700 Meter hohen Vorberg der Vogesen erbaut, der sich über die Rheinebene erhebt.

Durch diese außergewöhnliche Lage war die Hohkönigsburg ein ideales Refugium, aber auch ein idealer Ort zur Überwachung der Straßen nach Lothringen und der Nord-Süd-Verbindungen in der elsässischen Ebene.

Mitte des 15. Jahrhunderts war die Burg Zufluchtsort von Raubrittern und wurde zweimal besetzt und zerstört.

Ab 1479 wurde die Burg, die in den Besitz der Habsburger gekommen war, wiedererbaut, vergrößert und mit einem modernen Verteidigungssystem ausgestattet. Dieses System hielt 150 Jahre später jedoch nicht der Artillerie der Schweden bei der Eroberung des Elsass stand. Die Burg wurde ausgeraubt und in Flammen gelegt. Ihre Reste standen danach zwei Jahrhunderte verlassen da.

Bis ins 19. Jahrhundert blieben jedoch großartige und außergewöhnlich gut erhaltene Ruinen stehen, die 1862 von den französischen Behörden unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Im Jahr 1899 schenkte die Stadt Sélestat die Burg Kaiser Wilhelm II., der den jungen Architekten und Spezialisten für mittelalterliche Befestigungsbauten, Bodo Ebhardt, mit der Wiederherstellung beauftragte. Die Arbeiten wurden von 1900 bis 1908 methodisch und unter streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführt.

Durch die so restaurierte Hohkönigsburg ist es heute möglich, den Aufbau und die Funktionsweise einer mittelalterlichen Bergfestung zu verstehen.

Die Burgsäle beherbergen eine wichtige Waffen- und Möbelsammlung, größtenteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die aus Schenkungen und vor allem aus Ankäufen im Elsass, in der Schweiz, in Bayern und in Tirol durch den sogenannten Freundeskreis der Hohkönigsburg sowie der Lothringer Historischen und Archäologischen Gesellschaft stammt.

Bis Ende 2006 war die Burg in französischem Staatsbesitz und wurde vom nationalen Denkmalamt in Paris verwaltet. Seit dem 1.1.2007 ist sie in den Besitz des Departements Bas-Rhin übergegangen und wird seitdem auch direkt von der elsässischen Gebietskörperschaft verwaltet.

Die Jubiläumsausstellung „Betreten der Baustelle erwünscht!“ im Jahre 2008 setzte die aufwändige Restaurierung der Haut-Kœnigsbourg vor 100 Jahren direkt auf der Bergfestung in Szene und liess Großbaustelle vor hundert Jahren wieder aufleben.
Interessant ist wie die Hohkönigsburg zwischen 1900 bis 1908 vom Architekten Bodo Ebhard im Auftrag von Wilhelm II. nahezu originalgetreu wiederaufgebaut worden ist. Die Ruinen waren vor Baubeginn sorgfältig fotografiert worden, so dass man den Wiederaufbau anhand von Fotos nach dem Vorher-Nachher-Prinzip gut nachvollziehen kann.


© DBV-Inventaire d'Alsace
Löwenportal vor der Restaurierung.

Vorher-Nachher-Prinzip: Die Restaurierungsarbeiten können anhand von Fotos nachvollzogen werden.


© Eric Lorenzini
Löwenportal nach der Restaurierung.

Anhand von Originalfragmenten, Bruchstücken von Wappen oder Scherben von Ofenkacheln kann man nachvollziehen, wie sorgfältig die Restaurateure beim Wiederaufbau vorgegangen sind. Alltägliche oder außergewöhnliche Gegenstände aus der Zeit der Restaurierung wie Rasiermesser, Bierflaschen oder Feuerlöscher dokumentieren das Leben und Arbeiten auf der Baustelle Anfang des 20. Jahrhunderts.

Seit August 2008 wird die Hohkönigsburg von Jean-Florent Filtz geleitet.

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