Nordelsass für Leser
Ein kurzweiliger Führer zu historischen und literarischen Schauplätzen aus 12 Jahrhunderten
320 Seiten, 32 Abbildungen, 9 Karten und Stadtpläne,
€ 17,50. ISBN 978-3-88571-326-5 von Stefan Woltersdorff. Mit seinem erfolgreichen Buch „Straßburg für Leser“ folgte Stefan Woltersdorff erstmals den Spuren von Dichtern, Literaten und Schriftstellern und besuchte die Schauplätze, an denen sie lebten, arbeiteten oder Zeugen bewegender Ereignisse wurden und darüber schrieben. Nun widmet er sich dem Nordelsass, einer Region, die auf eine zwölfhundertjährige literarische Vergangenheit zurückblicken kann – denn schon im 9. Jahrhundert wurden von Otfrid von Weißenburg die Evangelien ins Deutsche übersetzt.
Seitdem war und ist das Nordelsass immer wieder Heimat von Literaturschaffenden bzw. ihren Werken: Claude Vigée, der aus Bischwiller stammende berühmte Autor und Literaturprofessor, Marie Hart, die ihrer Heimat in Mundart ein literarisches Denkmal setzte, Jean-Paul Sartre, dessen familiäre Wurzeln in Pfaffenhoffen liegen und der die ersten Kriegstage 1939 als Obergefreiter in Marmoutier erlebte, sowie Eva Klingler, die ihren Krimibestseller „Warte nur, balde ruhest Du auch“ in dem Goethe-Ort Sessenheim spielen lässt, sind nur vier von rund 240 Namen, die mit dem literarischen und historischen Geschehen im Nordelsass verknüpft sind.
In sechs stationenreichen Routenabschnitten führt Stefan Woltersdorff den Leser durch das nordelsässische Ried, das Hagnauer Land, das Hanauerländel, Saverne und Umgebung, die Nordvogesen sowie den Wasgau und Weißenburg.
Tipp: Literatur Reise Nord-Elsass: auf den Spuren des jungen Goethe
Sowohl als Tagesfahrt mit dem Auto oder Fahrradtour als auch Stadtspaziergang durch das nördliche Straßburg
Als der junge Goethe von seinem Studienort Straßburg klopfenden Herzens Richtung Sesenheim ritt, dürfte er nur wenig Gedanken auf literarische Stätten verschwendet haben, die es am Wegesrand zu besuchen gegeben hätte. Wer dafür jedoch Zeit und Muße hat, den mögen die folgenden Seiten einladen, das Elsass einmal anders zu erkunden. Die beschriebene Rundreise kann am Stück gemacht werden. Aber natürlich kann sie auch auf mehrere Etappen und verschiedene Verkehrsmittel verteilt werden. So können die folgenden Seiten anregen zu einem Stadtspaziergang durch das nördliche Straßburg, zu einer Fahrradtour durch die angrenzenden Vororte und Dörfer oder zu einer Tagesfahrt mit dem Auto durchs Nordelsass. Literatur-Details: Beginn der Elsass Reise
Wir beginnen unsere Tour am „place Brant“, benannt nach dem berühmten Renaissance-Dichter und langjährigen Stadtschreiber von Straßburg. 1494 veröffentlichte er einen echten „Bestseller“, den er wohl auch hier verfasst hat: das Narrenschiff. Geiler von Kaisersberg bediente sich der moralischen Erzählungen als Vorlage für seine Predigten im Straßburger Münster. Die neue Technik des Buchdrucks ermöglichte darüber hinaus eine weiträumige Verbreitung. Berühmte Maler ihrer Zeit steuerten Illustrationen bei, so Hieronymus Bosch und Alfred Dürer, der übrigens einige seiner Gesellenjahre in Straßburg verbracht hat. In Erinnerung an den großen Straßburger gründete der aus Nazi-Deutschland emigrierte Verleger Willi Münzenberg 1938 in Straßburg den kleinen „Sebastian-Brant-Verlag“, der deutsche wie französische Bücher veröffentlichte, die sich gegen die nationalsozialistische Diktatur wandten und in der „Imprimerie Française“ am „place du Corbeau“ gedruckt wurden.
Vom „place Brant“ zweigt in nördlicher Richtung die „allée de la Robertsau“ ab, die später „allée de l´Europe“ heißt. Sie ist ein eleganter Boulevard, auf dem sich noble Gründerzeit-Villen aneinanderreihen. Heute sind dort die Konsulate und Ständigen Vertretungen der Länder untergebracht, die Mitglied des Europarates sind. Sitz dieser wenig bekannten europäischen Organisation, zu der auch die meisten osteuropäischen Länder und die Türkei gehören, ist das „Palais de l´Europe“, ein unübersehbarer, ziemlich abweisender Bau aus den siebziger Jahren. Er liegt in eben dieser Straße auf der linken Seite, gleich gegenüber vom schönen „Parc de l´Orangerie“. Schon Georg Büchner ist hier mit seiner Straßburger Freundin Minna Jaeglé lustgewandelt. Auch René Schickele hat den Park in seinem Roman Blick auf die Vogesen augenzwinkernd „gewürdigt“. Besonders hatte es ihm der Parkteich angetan, auf dem sich „die üblichen zwei Schwäne entzsetzlich langweilten“.
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